Dienstag, 15. März 2016

Das darf doch wohl nicht wahr sein


Morgens in der Tageszeitung las ich die folgende dpa-Meldung:
Kein „Abischerz“, sondern handfeste Randale: Mehrere hundert angehende Abiturienten haben in der Nacht zum Montag insgesamt 15 Einsätze der Polizei in Köln ausgelöst und Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien verursacht. Es seien auch Anzeigen wegen teils gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz geschrieben worden, sagte ein Polizeisprecher. Man habe Drogen, Baseballschläger und eine zur Schlagwaffe umgebaute Fahrradkette beschlagnahmt. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um rivalisierende Schülergruppen, die sich gegenseitig angriffen und die Schulen ihrer Gegner beschädigten.
Und in den heutigen Mittagsnachrichten des SWR war zu hören:
250 Schüler greifen 70 Schüler eines Gymnasiums an.
Zwei Schwerverletzte.

Hätte mir das jemand erzählt und die Ortsangaben weggelassen, ich hätte es nie und nimmer für möglich gehalten, dass das in Deutschland passiert sei.

Das ist schlimm, sehr schlimm!
Und es wird wieder die Analysten auf den Plan rufen, die versuchen werden, den oder die Schuldigen auszumachen, welche Verantwortung tragen dafür, dass so etwas bei uns im zivilisierten Deutschland geschehen kann.
Ich kann ihnen helfen dabei: Verantwortlich ist unsere Gesellschaft.
Die es nicht schafft, unsere Jugend so heranzuziehen, zu bilden, zu sozialisieren und Werte zu vermitteln, dass solches unmöglich ist. Da kann es uns um unsere Zukunft bange werden.

Mein Blog trägt den Titel "Schule und Bildung".
Eben deswegen gehört diese Nachricht hierher. Denn auch Schule und Bildung und Bildungspolitik tragen hierfür Verantwortung ... und das nicht zu knapp.


Nachtrag:
In der Tageszeitung (Rheinpfalz, 16.03.2016) war die Äußerung eines Rechtspsychologen zu lesen:
„Wir müssen es erstmal als etwas Natürliches ansehen, dass junge Menschen einen Streit auf vielleicht auch grenzwertige Weise miteinander austragen.“
Ich teile diese Auffassung ganz und gar nicht. Grenzen sind da längst weit überschritten.

Und wer bezahlt die Krankheitskosten, die Polizei- und Feuerwehr- und Krankenwageneinsätze, wer kommt für die Sachbeschädigungen auf, und vor allem, wer entgilt das Leid und die Schmerzen der Verletzten?

Meine Zustimmung allerdings findet die Feststellung:
»Und in ... Gruppen spiele sich oft eine besondere Form von Eigendynamik ab: "Eine Gruppe wird auch mal als Gruppe – ich sage es mal so salopp – etwas dümmer als die Summe der Teile."«
In der Politik etwa liefert so manche Koalition Beispiele hierfür.

Montag, 14. März 2016

Machen die alles richtig in der Schule/Grundschule?


Lassen Sie mich meine Gedanken zu der Diskussion um die Schreibschrift noch ein wenig ausweiten.
(Post vom 13. März)
„Schreiben nach Gehör“ – immer noch praktiziert in unseren Grundschulen, aber ein fataler Irrtum.

Mein Enkel, inzwischen wird er achtzehn, ist ein Opfer dessen; die Fehlerquote in seinen Texten ist immer noch sehr hoch. Das spätere Korrektiv dieses in der Grundschule angesammelten Mülls ist schwer, sehr schwer. Und die Verfügbarkeit grammatikalischer Kenntnisse ist in hohem Maße defizitär, ... was sich dann beim Erlernen einer Fremdsprache ausbreitet wie eine ansteckende Krankheit.
Na ja, zukünftig wird es immer bessere Software geben, deren Autokorrekturfunktion die Fehler beseitigt, und der Google-Übersetzer wird auch immer besser.

Übrigens scheint man ja inzwischen vom „Schreiben nach Gehör“ abzurücken. Gut so. Ob es dann aber tatsächlich gelingt, die rechtschriftlichen Kompetenzen nachhaltiger zu entfalten? Zweifel sind angebracht, denn die Mehrzahl unserer Grundschulen hat dies ja nach wie vor in traditioneller Weise praktiziert, ... und die Rechtschreibdefizite eskalieren in bedenklichem Umfang, sie sind bei Abiturienten und Studierenden angekommen.

Vielleicht läuft es in Mathematik ja besser?

Wenn ich die vielen Schuljahre über mit meinem Enkel gearbeitet habe, fragte ich mich oft, was die in der Grundschule eigentlich gemacht haben. Mehr kaputt als ganz! Ein „Gefühl“ für Zahlen und Rechenoperationen und Zusammenhänge ist nicht vorhanden. Mit fatalen Auswirkungen auf all das was folgt, darauf aufbauen soll.
Nebenbei bemerkt: Seine Schrift ist nicht gut, ehrlicherweise muss man sagen, sie ist schlecht, was ihm in der Mathematik des Öfteren ein Bein stellt, wenn er über seine eigenen Hieroglyphen stolpert.

Schau ich mir diese Mathematik der Grundschule an, dann stelle ich fest, dass dort im durchaus nachvollziehbaren Bemühen um eine kindgemäße Sprache ein Vokabular entwickelt wird, dessen Verständnis gar mir Probleme bereitet. Da ist von „Zehnerliesel“, „Fünferräuber“, von Schachteln und Säcken die Rede, und „Schnackelfischer“ sind am Werk. Dazu muss man wissen, dass die Sprache der Mathematik ebenso wichtig ist wie die Mathematik selbst, denn man muss Gedanken ja über die Sprache nach außen bringen und umgekehrt. Welchen Sinn macht es, da eine eigene "kindgemäße" (Fremd-)Sprache zu vermitteln, die dann wieder weggelernt und ersetzt werden muss durch die Standard-Fachsprache?
Man kann jedem Menschen in jeder Entwicklungsstufe nahezu alles nahebringen, haben kluge Pädagogen postuliert, ... man muss es nur richtigmachen. Wie wahr! Aber so nicht!

Übrigens ist mein Enkel kein Fall für Inklusion. Und er leidet weder an ADHS noch Dyskalkulie. Ganz im Gegenteil, er ist proper, fleißig und intelligent. Mit solider Unterstützung hat er es bis jetzt in die Oberstufe geschafft und schrieb gar gute Noten in Mathe.
Aber die Nachhaltigkeit dieser Investitionen lässt zu wünschen übrig. Auf einen maroden Unterbau, das weiß jeder, kann man kein noch so schickes Haus bauen. Eigentlich müsste man sagen können „alles auf Anfang“ und „noch mal von vorne“. Aber diese Resettaste gibt es im menschlichen Lernen nicht.

Insgesamt muss ich zu dem Schluss kommen: Die Grundschule hat in vielen Bereichen schlichtweg versagt.

Ich bin selbst Lehrer, und es stünde mir schlecht zu Gesicht, meinen eigenen Berufsstand zu kritisieren. Jedoch muss die Unterrichtsqualität m. E. deutlich verbessert werden. Durch eine verbesserte Ausbildung, durch verbesserte Rahmenbedingungen, durch eine sehr viel höhere Dotierung der Lehrkräfte, ...
Ich würde sogar noch weiter gehen und fordern, dass unsere besten (und am besten bezahlten) Pädagogen in die Grundschule (und in die Orientierungsstufe) gehören. Denn dort werden die Weichen gestellt, die Grundlagen gelegt.
Finnische Verhältnisse werden wir in Deutschland nie haben: dass der Lehrberuf ein Traumberuf ist, dass es 8.000 Bewerbungen auf 750 Studienplätze gibt, dass ein Auswahlverfahren zu durchlaufen ist und nur die Besten und die Talentiertesten genommen werden (so Pasi Sahlberg in einem Interview von ZEITonline). Bei uns entscheiden das die Bewerber selbst, ob sie ... , und die hochqualifizierten Abiturienten gehen andere Wege, wie Studien belegen.

In den weiterführenden Schulen wird nicht selten, in letzter Zeit gar immer häufiger fachfremd unterrichtet. Auch hier wird der große Fehler gemacht, dies vorzugsweise in unteren Klassenstufen zu praktizieren. Das sei einfacher und deshalb für fachlich und fachdidaktisch Inkompetente eher zu bewältigen, meint man. Das ist falsch!
Damit erfährt der so wichtige Unterbau eine weitere eklatante Beeinträchtigung.

Empfehlung:
Lesen Sie auf meiner Homepage den Text "Spurensuche", in dem Sie einiges über das finnische System erfahren können.
Die folgende Abbildung finden Sie dort:


Sonntag, 13. März 2016

Ein Plädoyer für die Schreibschrift


Wenn ich mir vorstelle, unsere Grundschüler
müssten nicht unsere Schreibschrift lernen, so (Normalschrift) oder auch so (Ausgangsschrift), so genau kenne ich mich da nicht aus
(es ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, in Deutschland werden meines Wissens drei verschiedene verwendet, mit LA, VA, SAS abgekürzt),
sondern jene in England, die mir doch ein wenig schwieriger erscheint, aber auch schöner, filigraner, flüssiger,

dann wäre die Diskussion um die Abschaffung derselben wohl noch um einiges heftiger.


Auch wenn es auf den ersten Blick plausibel – weil einfacher – erscheint, von Druckschrift direkt zur Handschrift zu gelangen, statt den „Umweg“ zu gehen von Druckschrift zu Schreibschrift zu Handschrift, so halte ich Letzteres doch für den besseren Weg. Denn nach meinem Dafürhalten werden beim Erlernen einer Schreibschrift sehr viele Kompetenzen grundgelegt und entwickelt (Koordination, Motorik, …), welche für die Ausformung einer Handschrift förderlich sind – und nicht nur dafür. „Was man schreibt behält man besser“ (jeder weiß das aus eigener Erfahrung), oder die Tatsache, dass unser Gehirn sich Wortbilder merkt – all das befördert die individuelle Entwicklung.
Apropos "Wortbilder": Schöne aufgeräumte und immer wiederkehrende Bilder prägen sich deutlich besser ein als jene, die eher dem Dadaismus oder Surrealismus zuzuordnen sind.
Ach ja: "Sich an Regeln halten" kann man nur lernen, wenn es welche gibt!


Sollte man glauben, die Kulturtechnik des Schreibens verlöre ehedem an Bedeutung, werde zukünftig kaum noch benötigt, dann ist man der Zeit viel zu weit voraus. Wenn in Finnland ab 2016 die Schreibschrift nicht mehr verpflichtend vermittelt wird, sondern das Tastaturschreiben, dann sind auch die Finnen womöglich nicht so ganz zukunftsfähig. Denn auch die Tastatur wird irgendwann nicht mehr zeitgemäß sein, durch Bildschirmtastaturen, Sprechen/Diktieren, Touchen, Wischen, Gesten, … oder was auch immer ersetzt sein.
Wenn ich den Kids zuschaue beim Tippen von Nachrichten auf ihrem Smartphone: Das geht wie der Blitz, aber mit "10-Finger-Tastschreiben" hat das nichts zu tun.


Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, was das Erlernen der Deutschen Kurrentschrift (oder auch das einfachere „Sütterlin“) schlussendlich bewirkte: Die „Schulhefte“ und das lebenslange Schriftbild waren eine Augenweide, im beschämend krassen Gegenteil zu dem, was unsere Schülerinnen und Schüler heute zu produzieren in der Lage sind.*) 
Der vorige Satz in Kurrentschrift: 
Wir schreiben nicht mehr, sondern lassen schreiben oder kommunizieren mit Emoticons, wir kochen nicht mehr, sondern bedienen uns mit Fastfood oder Fertiggerichten, wir rechnen nicht mehr, sondern lassen rechnen, wir lehren nicht mehr, sondern sagen konstruktivistisch „nu macht mal schön“, wir beurteilen nicht mehr, sondern setzen auf Selbsteinschätzung, … Die Reihe dessen ließe sich schier endlos fortsetzen. Oh du arme Welt! 


*) Anmerkung:
Lesen Sie einen interessanten Artikel in DIE WELT „Sütterlin, so korrekt wie eine preußische Armee“ (März 2015). Vermutet wird dort, den Finnen werde es dann irgendwann so gehen wie uns, wenn wir in Kurrentschrift verfasste Briefe und Aufzeichnungen unserer Groß- oder Urgroßeltern entschlüsseln möchten.

Aus dem handschriftlichen Rezeptbuch meiner Großmutter (raten Sie, zu welcher Zeit das verfasst wurde):


Ich danke Herrn Peter Wiegel für die Erstellung der oben verwendeten Schreibschriften, die er zudem noch kostenlos zu Verfügung stellt.
Besuchen Sie seine Homepage http://www.peter-wiegel.de/Fonts/index.html.



 

Freitag, 11. März 2016

Am Sonntag wird in RLP gewählt


Gibt es noch Unentschlossene wie mich?
Ein "Bürger der Mitte" hat ja nicht sonderlich viele Alternativen. Allerdings muss ich gestehen, dass die großen Parteien gerade in jenem Bereich, der mir am Herzen liegt, Schule und Bildung nämlich, mich mit ihren Programmen nicht überzeugen.
Zu sehr und nach meinem Dafürhalten fälschlicherweise wird der Status quo akzeptiert oder gar hoch gelobt. Die Fehler im System und die mangelnde Qualität in vielen Bereichen werden nicht gesehen und in Folge natürlich auch nicht angegangen. Ich verweise auf die Brandbriefe, z. B. "50 Prozent ungeeignet" oder "Fachfremd unterrichten", auf meiner Google-Homepage.

Schau ich mich bei den Parteien um, dann müsste man nach links tendieren,  denn dort ist z. B. zu finden "Schluss mit dem Akademisierungswahn" und "Wiederherstellung des dreigliedrigen Schulsystems".
Das kann ich nur unterstützen! Denn es war ein eklatanter Fehler, die Hauptschule und die (bis dahin hervorragend funktionierende) Realschule zur "Realschule plus" zu fusionieren (das "plus" war wohl eine "marketingstrategische" Bezeichnung). Und heute ist in der Tageszeitung (Rheinpfalz) ein Bericht zu lesen, wonach es dem Handwerk zwar gut gehe, jedes Jahr aber Abertausende von Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Kurz nach der Jahrtausendwende wurde in RLP eine Reform der Lehrerausbildung in Angriff genomen, dies mit viel Zuversicht. Heute muss man m. E. feststellen: diese Reform ist zu einem "Reförmchen" und einem "Papiertiger" verkommen. Sie hat nicht dazu geführt, die Qualität der Lehrerausbildung zu verbessern. Im Gegenteil!

Doch zurück zu meinem Problem. Es macht keinen Sinn, jene Partei zu wählen, die solcherlei Änderungen propagiert. Denn das wird nie und nimmer Programm werden, egal wie die Wahl en détail ausgeht und wer mit wem koaliert.
Es bleibt nur, der Mitte die Stimmen zu geben und zu protestieren und zu hoffen, dass irgendwann Einsicht einkehrt. Ich meine sogar, dass Einsicht irgendwann einkehren muss, weil die Wirklichkeit die politisch Verantwortlichen einholen wird.

Samstag, 5. März 2016

Woher nehmen und nicht stehlen?



Im Zusammenhang mit der Integration der Flüchtlinge konnte man lesen, dass deutschlandweit wohl weit über 10.000 zusätzliche Lehrkräfte benötigt werden, um den Ansturm auf Schule und Bildung zu bewältigen.
Man darf gespannt sein, was den Verantwortlichen einfällt zur Lösung dieses Problems.
Es wäre vermessen zu glauben, dass es derart viele Lehrer „auf Halde“ gibt, also fertig ausgebildete, die bisher keine Anstellung gefunden haben (wenn dem so ist, dann wohl vielfach deswegen, weil ihre Abschlüsse schlechter als andere sind).
Die Ausbildung einer Lehrkraft dauert ca. 6 Jahre – woher also nehmen und nicht stehlen?

Nach den Vorfällen in Köln hörte und las man, unsere Polizei sei chronisch unterbesetzt; es wurde hingewiesen darauf, dass Polizisten eine Ausbildung benötigten, die mehrere Jahre brauche, kurz- oder auch mittelfristig also keine Abhilfe geschaffen werden könne.
Die Idee vom „Hilfspolizisten“ kam auf, der mit einer reduzierten Ausbildung, einem Crash-Kurs sozusagen, in kürzerer Zeit „produziert“ werden könne. Mit Verlaub – ich vermag mich damit nicht anzufreunden.
Ohne die Verbrechen von Köln hätte der personelle Mangel bei unserer Polizei wohl kaum Eingang gefunden in die „Werbelinie“ einer der großen Parteien zur Landtagswahl in RLP.

Und wie wollen wir das mit Lehrern machen?
Mit Seiten- und Quereinsteigern (haben wir schon), ... oder "Nebeneinsteigern" (so was hatten wir noch nicht)?
Mit "Unteneinsteigern", sprich: Menschen, die auf Lehramt studieren, weil sie glauben hierfür qualifiziert zu sein (nach Selbsteinschätzung natürlich), vom frischgebackenen Studierenden  bis hin zum Referendar im Vorbereitungsdienst, jedenfalls ohne Zweite Staatsprüfung (und damit hoffentlich nachgewiesener Qualifikation). Also mit Menschen ohne mehr oder minder hinreichende Ausbildung.
Aber Lehrer, das kann doch jeder! Oder?
Was unsere Gesellschaft sich über Jahrhunderte hinweg erworben hat an Wissen und Kompetenzen zu unserer wichtigsten Aufgabe, nämlich Erziehung und Bildung, das brauchen wir doch nicht! Oder?

Vielleicht wären "Obeneinsteiger" die bessere Lösung, eine keineswegs neue Idee:
Bereits im Ruhestand befindliche Lehrkräfte werden reaktiviert (zuvor nötigenfalls reanimiert). Das wäre sogar äußerst preiswert, denn die kriegen ja ehedem schon eine üppige Pension, eine kleine Zulage würde genügen.


Ach ja, apropos "Unteneinsteiger"! Schon beim einfachen Handwerk würde sich die Kundschaft entrüsten und wehren, müssten sie nicht oder unzureichend ausgebildete Menschen für sich werkeln lassen.
Im Lehrberuf jedoch geht das
– wie die real existierende Praxis zeigt. Leider!