Donnerstag, 28. Juli 2016

Imagekampagne

… für die »Realschulen plus« in Rheinland-Pfalz

Anmerkung:
Ein „Redaktionsgespräch“ mit der neuen Bildungsministerin in RLP, Dr. Stefanie Hubig, über das die MAZ (Mainzer Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2016) berichtet, war Auslöser für diesen Post.


In RLP wurde ja jüngst (2016) eine neue Regierung gewählt.
Wer Hoffnung hatte auf einen grundlegenden politischen Wandel, wurde enttäuscht: Die bisherige SPD-Führung hat sich hauchdünn gerettet, im wahrsten Sinne dieses Wortes, nunmehr in einer Ampelkoalition statt wie bisher in Rot-Grün.
Mancher Wähler, der seine Stimme der FDP gab, weil er sich mit deren »Programm« in bestimmten Handlungsfeldern mehr oder gar sehr viel mehr identifizieren konnte, wurde enttäuscht. Und zwar ob der Tatsache, dass die „Hoffnungsträger“ sich eingelassen haben auf eine Regierungsbeteiligung, obwohl sie wahrscheinlich recht viele ihrer Ideen und Vorstellungen auf dem Opferstock der Koalitionsvereinbarung verbrennen mussten.
Die hauchdünne Mehrheit der Ampelkoalition erlaubt keine „Abweichler“. So konnten sich manche Bürger bei der Abstimmung über das Misstrauensvotum im Zusammenhang mit dem Verkauf des Flugplatzes Hahn des Eindrucks nicht erwehren, als habe es überhaupt keine Rolle gespielt, worüber denn eigentlich abgestimmt wurde.

Jenen Menschen, die mit der Bildungspolitik des Landes (Schulstrukturreform mit Abschaffung der Realschule in der bisherigen Form) nicht einverstanden waren und sind – ein Tsunami wurde losgetreten, mit dessen weitreichenden Folgen noch heute (und in Zukunft) gekämpft wird – blieb die Hoffnung auf neue Impulse der Parteien, aber auch auf die neue Spitze im Bildungsministerium.

Schon die Vorgängerin im Amt, Frau Vera Reiß, hatte in einem Redaktionsgespräch mit der Rheinpfalz (die RHPF berichtete am 23. Juni 2015 darüber) geäußert, sie sei sicher, „dass die Schulform »Realschule plus« eine Zukunft habe“. Anlass war der überproportionale Rückgang der Anmeldezahlen. Sie wolle „die Eltern zukünftig besser über die Ausbildung in der Realschule plus informieren und über die Möglichkeit, auch aus dieser Schulform heraus zur Hochschulreife zu gelangen.“
Diese Äußerung veranlasste mich, einen Text zur verfassen (auf meiner Homepage unter dem Titel „Die Reißleine ziehen“ eingestellt). Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass Frau Reiß hier irrte, und dass jedwede Information der Eltern nicht bewirken kann, der Entwicklung eine andere Richtung zu geben – sie ist nach meinem Dafürhalten zwangsläufig.

Dass auch Frau Hubig (die „nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass Bildungspolitik neu für sie ist“, so die MAZ) dies nunmehr aufgreift, lässt erahnen, wie schwer es die Bildungsministerin haben wird, dieser Politik ein eigenes Profil geben und womöglich Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Überschrieben mit „Imagekampagne für Realschulen plus“ wird sie zitiert: „Wir müssen da was machen, eine Imagekampagne und die Lehrer noch stärker zusammenbringen.“ Die letzte Bemerkung zielt wohl auf die derzeitig laufenden Wechselprüfungen (gemäß Auflage eines Gerichtsurteils in „einfacherer Form“), mit Hilfe derer die bisherigen Hauptschullehrer auf ein höheres Besoldungsniveau gehoben werden.

Imagekampagne? 
Da frage ich mich, mit welchen Fakten das Bild (Image) dieser Fehlgeburt aufpoliert werden soll. Sollen da Werbestrategen beauftragt werden? Oder sollen Sachargumente her, mit denen man die Betroffenen zu überzeugen sucht? Welche?

Es geht nichts daran vorbei:
Die Realschule plus ist nun die unterste Stufe im System der weiterführenden Schulen. Dort sind gleich alle versammelt, die es nicht schafften (aus welchen Gründen auch immer) oder nicht schaffen wollen, eine bessere Option wie IGS oder Gymnasium zu erlangen – der Schmelztiegel im Schulsystem. Genau das war die Krux der ehemaligen Hauptschule, die ihren Niedergang bewirkte.

Ein namhafter Vertreter des Realschullehrerverbandes äußerte anfänglich (dem Sinne nach), was das denn werden solle, wenn man Kranke und Gesunde zusammenpferche. Den Kontext fand ich nicht gerade sonderlich gut gewählt. Er versuchte aber, einen durchaus wahren Sachverhalt in den Blick zu nehmen.
Das relative Siechtum und der Niedergang der Hauptschule waren ja nicht darin begründet, dass das per se eine schlechte Schulart gewesen sei. Ob ihrer Krux wurde sie immer weniger angenommen. Und dieses nach wie vor ungelöste Problem hat man nun der zuvor hervorragend aufgestellten Realschule implantiert. Was daraus werden wird, beginnt sich abzuzeichnen.

Imagekampagne! 
Die gab’s übrigens auch für die ehemaligen Hauptschulen.

Ich beglückwünsche jene Bundesländer, die den Schritt noch nicht gegangen sind, aus ihrem dreigliedrigen Schulsystem ein zweigliedriges zu machen. So lange man nicht die IGS (die Dreigliedrigkeit unter einem Dach) zur Regelschule macht, ist das dreigliedrige System ganz gewiss das bessere.

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