Dienstag, 29. März 2016

Trick 17, zweiter Teil


Fächerkonglomerate gibt es schon lange.
Etwa in den „guten“ alten (im Sinne von ehemaligen) Realschulen des Landes RLP, seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es gab die Wahlpflichtfächer Mathematik-Naturwissenschaften und Wirtschafts- und Sozialkunde als Bausteine der äußeren Differenzierung. Und getragen von einem anderen Geist, nämlich als Interessendifferenzierung ergänzend zu den weiterhin unterrichteten Kernfächern, nicht als Substitut derselben. Sie hatten einen eigenen Lehrplan und wurden von ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet. Wirtschafts- und Sozialkunde z. B. war eine eigene Fakultas, war Studienfach sowie Ausbildungs- und Prüfungsfach an den Studienseminaren zum Erwerb der Lehrbefähigung.

Erstmals „durchbrochen“ wurde dieses Prinzip zu jener Zeit mit dem Fach „Gesellschaftslehre“ in den aufkommenden Integrierten Gesamtschulen. Es bündelte und „ersetzte“ die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde. Wenn uns – aus welchen Gründen auch immer – über die Jahre hinweg die examinierten Geschichtslehrer ausgingen, Erdkundelehrer aber zuhauf zu haben waren, gab es dennoch kein Problem mit der „Lehrerversorgung“ für dieses Fach.

Wenn die einschlägige Bildung in allen drei Bereichen, politisch, historisch, geografisch, unserer Jugend mehr und mehr zu wünschen übriglässt, so ist das m. E. auch diesen Konstrukten geschuldet. Stellen Sie sich vor, Sie müssten „Gesellschaftslehre“ unterrichten, weil mit der Fakultas Erdkunde ausgestattet, wären aber historisch nicht sonderlich bewandert.

Ich will diesen Gedanken nicht weiterspinnen, möchte stattdessen verweisen auf den Leitartikel der WELT AM SONNTAG vom 13. Dezember 2015 „Das fatale Ende eines Schulfaches“.
Der Titel ist unterschrieben mit „Während die Weltordnung aus den Fugen gerät, scheitern die Schulen an der Vermittlung historischer Zusammenhänge. Experten warnen gar vor einer geschichtsvergessenen Generation“.
Vor dem Hintergrund der neuen pädagogischen Strömung „Kompetenzorientierung“ geraten die Inhalte und Fakten ins Hintertreffen. Lese ich in Lehrplänen, da komme ich ins Staunen, mit welchen hehren Worten das zur Tugend erklärt wird.

Welche gesellschaftlichen Kompetenzen sollen das sein, die ohne das Wissen um Geschichte auskommen?

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